Im Paß 4 (Korbach)

Das Haus Im Paß 4 im Dezember 2016.
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Das Haus Nr. 4 in der Straße Im Paß ist ein 1740 von dem Metzermeister Johannes Postelmann errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1] Der Vorgängerbau war, wahrscheinlich 1739 mit den Häusern Im Paß 1 und Rathausgasse 8, abgebrannt.

Geschichte

1. Der erste bekannte Eigentümer des Grundstücks war der Bierbrauer (cythopogus) Anton Hengstenberg (* um 1645 in Friesebeck/Kirchspiel Velbert; begr. 21.03.1707, 62 Jahre). Seine Frau hieß Marie (* um 1646; begr. 01.12.1706, 60 Jahre), Geburtsname unbekannt.

2. Im Jahr 1705 wurde Johannes Stebes aus Wirle (?) in der Grafschaft Homburg neuer Eigentümer, indem er am 5. Juni jenen Jahres die Tochter von Nr. 1, Eva Gertrud Hengstenberg (~ 19.03.1682; ?) heiratete. Er erwarb 1711 die Bügerrechte, seine Lebensdaten sind nicht bekannt.

3. 1723 erwarb der Metzger Johannes Postelmann das Haus. Er war wahrscheinlich der Sohn des Schumachers Henrich Postelmann und Bruder des Andreas Postelmann, dem das benachbarte Haus Klosterstraße 4 gehörte. Seine Lebensdaten sind nicht bekannt. Er erhielt 1703 die Bürgerrechte. Am 4. Mai 1705 vermählte er sich mit Anna Maria (Catharina) Schönhard (~ 14.03.1679; 27.04.1746), Tochter des Tilemann Schönhard (Bürger 1663) und der Anna Hampe. Über die Tochter des Johannes Postelmann, Anna Elisabeth (~ 14.07.1714; begr. 30.08.1760) heißt es im Kirchenbuch der Neustadt anläßlich ihrer Beisetzung:

"Anna Elisabeth, des weil Johannes Postelmanns nachgelassene Tochter, welche einen Mann namens Diedrich will ordentlich angetraut haben, aber wegen ihrer liederlichen und versoffenen Lebensart in einen schändlichen Ruf sich gebracht und deshalb zum großen Aergernis der Stadt als ein versoffenes und zu aller Arbeit untüchtig gewesenes Menschenskind herumgegangen und endlich von hiesiger Obrigkeit in das Hospital geethan worden ist, in demhalben, wie sie als eine Verächterin Gottes und der Heiligen Sacramente gelebet auch so ohne bußfertige Vorbereitung zu ihrem Tode gestorben, 46 Jahre, 1 Monat alt."

Nachdem das Haus abgebrannt war, errichtete Postelmann im Jahr 1740 das heutige Gebäude.

4. 1752 wurde Balthasar Justus Cupitz/Kupitz (~ 26.12.1721; ?) neuer Eigentümer. Er war der Sohn des Schuhmachermeisters Henrich Kupitz (Rathausgasse 4, Klosterstraße 3) und der Maria Catharina Linnekugel. Am 22. Oktober 1748 heiratete er Catharina Margarethe Kühling aus Vöhl, Lebensdaten unbekannt. Im gleichen Jahr erhielt er die Bürgerrechte. Von 1755 bis 1775 war er Eigentümer des Hauses Tempel 4. Cupitz ist aus Korbach verzogen.

5. 1753 erwarb der Siebmacher Johann Conrad Hampe (~ 24.05.1726; 05.06.1786) das Haus und die Bürgerrechte. Er war der Sohn des Jost Henrich Hampe (Entengasse 10) und der Anna Catharine Weiffenbach. Verheiratet war er mit Maria Dorothea Christiane Bornemann (~ 16.08.1722; 30.09.1771), Tochter des Adam Bornemann (Stechbahn 28, Tränkestraße 17) und der Anna Erich (oder Elisabeth) Curtze. Conrad Hampe erbte nach dem Tod seines Vaters das elterliche Haus Entengasse 10.

6. 1764 kaufte die Witwe Catharina Elisabeth Schake (* 22.01.1718; 26.06.1787) das Gebäude. Sie war die Tochter des Pfarrers Walter Nelle zu Meineringhausen und der Eleonore Catharina Scriba. Am 29. Oktober 1751 hatte sie den Pfarrer Johannes Schake geheiratet (* 28.01.1723 in Sachsenhausen; 29.11.1758 in Armsfeld; 1750-1755 Pfarrer in Landau, 1755-1758 Pfarrer in Armsfeld), Sohn des Justian Adam Schake in Sachsenhausen. Nach dem Tode ihres Mannes zog sie nach Korbach.

7. 1787 erbte Henriette Elisabeth Schake (* 27.02.1753 in Landau; 10.09.1826) das Haus, Tochter von Nr. 6. Sie blieb ledig.

8. 1828 erwarb der Schneidermeister Johann Henrich Wigand (* 1791 in ?; 27.11.1843, 52 Jahre 6 Monate, 13 Tage) das Haus. Er war der nichteheliche Sohn des Kammerrats Wigand in Korbach. Am 16. Februar 1834 ging er die Ehe mit Johanne Henriette Antoinette Hautau (* 28.02.1801 in Stadthagen; 22.06.1874) ein. Sie war die Tochter des Bäckers und Amtsdieners Anton Friedrich Hautau in Stadthagen.

9. 1862 wurde der Schuhmacher Johann Friedrich Wilhelm Hartmann (* um 1830 in Landau; 30.03.1894, 64 Jahre) neuer Eigentümer. Er war der Sohn des Johann Friedrich Wilhelm Hartmann und der Elisabeth Backhaus, beide in Landau. Am 1. April 1861 heiratete er Marie Friederike Scriba (* 14.06.1822 in Berndorf; 15.01.1900), Tochter des Landwirts Scriba in Berndorf. Im Jahr 1889 erwarb er das Haus Im Paß 2.

10. 1889 kaufte der Metzger Werner Martin Friedrich Richard Schmalz (* 11.11.1860; ?) das Gebäude. Er war der Sohn des Schreinermeisters Ludwig Friedrich Christian Wilhelm Schmalz und der Wilhelmine Ernestine Friedrike Louise Wweinberger. Seine erste Ehefrau war Marie Wolf (* um 1862 in Kerbersdorf; 05.03.1890 im Krankenhaus), Tochter des Nicolaus Wolf und der Helene Lang. Eine zweite Ehe ging er am 7. September 1890 mit Marie Elisabeth Faulstroh (* 22.04.1864 in Rodheim; ? nicht in Korbach) ein, Tochter des Schlossers Jacob Faulstroh und der Marie Barbara Elisabeth Ganf, beide aus Rodheim beim Friedberg. Die Ehe wurde 1895 geschieden.

11. Im Jahr 1895 übernahm der Tagelöhner Wilhelm Henschel (* 21.12.1864 in Neudorf; 03.03.1902) das Haus. Er war der Sohn des Wilhelm Henschel und der Friedrike Rummel, beide aus Neudorf. Dort heiratete er um 1891 Marie Hille (* 30.06.1859 in Dorfitter; 26.02.1909), Tochter des Gottfried Hille und der Margarethe Diederich, beide aus Dorfitter.

12. 1909 erbte der Arbeiter Josef Stadler (* 08.05.1884 in Bieber/Kreis Gelnhausen; nach 1960) das Haus von seiner Schwiegermutter (Nr. 11). Er war der Sohn des Anton Stadler und der Rosa Fach, beide aus Bieber. Am 22. Juli 1918 ging er die Ehe mit der Tochter von Nr. 11, Marie Hentschel (* 23.08.1892 in Neudorf; nach 1960) ein.

Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

Äußeres Erscheinungsbild

Im Güterverzeichnis von 1757, S. 458, findet sich folgende Beschreibung des Hauses:

"Balthasar Justus Kupitz; Wohnhaus im Tempel zwischen Subconrektor Engelhard und Johannes Engelhard."

Im Brandkassenregister von 1784, Nr. 98, wird das Gebäude wie folgt dargestellt:

"Pastor Schaken Witwe; Wohnhaus aus Fachwerk 24 x 20 Fuß groß, Brandkassenwert 25 Taler."

An dem Haus wruden 1931 größere Umbauten vorgenommen.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 8, Rathausgasse - Im Paß - Im Tempel - Kilianstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, S. 47-49. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.