Tempel 3 (Korbach)

Das Haus Tempel 3 im Mai 2017.
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Das Haus Nr. 3 in der Straße Tempel ist ein im 17. Jahrhundert errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1]

Geschichte

Das Gebäude war bis um das Jahr 1740 das zum Haus Tempel 1 gehörende Wirtschaftsgebäude. Das Doppelhaus befand sich damals im Eigentum der Familie Schreuwangen, die hier vermutlich ihre Schmiede betrieb. Bis 1741/1743 blieben die beiden Häuser in der Hand jeweils einer Familie, erst in jenen Jahren wurde das Eigentum geteilt.

1. Erster bekannter Eigentümer war um 1662 der Schmiedemeister Cunrad Schreuwangen, auch genannt Schröwangen (* um 1625; begr. 25.06.1702, 77 Jahre). Er war der Sohn des Schmiedemeisters Simon Schröwangen und der Anna Gobbel. Verheiratet war er mit einer Anna Catharina aus Oberwaroldern (* um 1643; begr. 06.01.1704, 61 Jahre). Schreuwangen war seit 1662 Bürger der Stadt und in den Jahren 1664 und 1669 Dechant der Schmiedeinnung.

2. Als Nachfolger im Eigentum ist Johannes Homberg (Homburg) aus Breidenbach verzeichnet, der mit Edeling Schreuwangen, Tochter von Nr. 1, verheiratet war. Homberg hat zwar am 12. November 1703 die Korbacher Bürgerrechte erworben. Die Todesdaten von ihm und seiner Frau sind jedoch nicht in Korbach verzeichnet. Wahrscheinlich ist das Ehepaar mit den 1704 und 1708 in Korbach geborenen Töchtern fortgezogen.

3. Im Jahr 1710 erwarb der Schweineschneider Maximilian Leonhard Premann (* um 1686, Geburtsort unbekannt; begr. 19.09.1738, 52 Jahre) das Haus, vermutlich von dem fortziehenden Nr. 2. Er heiratete am 25. November 1709 Anna Elisabeth Brand, geborene Kiepe (* um 1664 in Schwalefeld; begr. 11.10.1740, 76 Jahre), Witwe des Schweineschneiders Engelhard Brand, Tochter des Wilhelm Kiepe aus Schwalefeld. Premann hinterließ keine Kinder.

4. 1741 wurde der Schlossermeister Johannes Leitig neuer Eigentümer, der im gleichen Jahr auch die Bürgerrechte erwarb. Er war der Sohn des Maurers Johann Henrich Leitig (Katthagen 11) und Dechant der Schmiedeinnung in den Jahren 1746, 1756, 1765, 1774 und 1776. Seine Lebensdaten sind nicht bekannt. Am 1. Januar 1741 vermählte er sich mit Clara Margarethe Brandt (~ 02.04.1702; 29.12.1773), Tochter des Schweineschneiders Franz Engelhard Brand und der Anna Elisabeth Kiepe. [2]

5. 1769 wurde der Schlossermeister Johann Georg Friedrich Leitig (~ 26.11.1741; ?) neuer Eigentümer. Er war der Sohn von Nr. 4 und Bürger seit 1769. Am 7. Februar 1770 nahm er Dorothea Maria Butterweck (~ 19.08.1745; 16.10.1803) zur Frau, Tochter des Schreinermeisters Henricus Butterweck (Hinter dem Kloster 9) und der Engel Margarethe Berthold. Er wurde 1770 auch Eigentümer des Hauses Hinter dem Kloster 9 und ließ 1791 an gleicher Stelle einen Neubau errichten.

6. 1780 Georg Samuel Bohne.

7. 1804 Georg Wilhelm Christian Bohne.

8. 1806 Georg Samuel Bohne.

9. 1807 Wilhelm Lahme.

10. 1809 Johann Christian Wilke.

11. 1844 Carl Wilhelm Theodor Wilke.

12. 1871 Christian Carl Wilke

13. 1876 erwarb der Wegewärter Wilhelm Gombsen (* 18.05.1838 in Twiste; 11.11.1920) das Häuschen für 382 Taler. Er war der Sohn des Wilhelm Gombsen und der Christine Butterweck, beide aus Twiste. Am 6. Dezember 1863 heiratete er in Twiste Wilhelmine Hensche (* 04.06.1833 in Nordenbeck; 23.11.1913), Tochter des Landwirts Wilhelm Hensche aus Nordenbeck. [3] Das Paar hatte mindestens ein Kind: Luise Christiane Wilhelmine Gombsen (* 13.03.1864; 23.03.1951), die am 21. Dezember 1884 den Schneidermeister Friedrich Löwenstein (Klosterstr. 16) heiratete. Wilhelm Gombsen veräußerte das Haus im Jahr 1911 an Nr. 14 und zog zu seinem Schwiegersohn, Friedrich Löwenstein.

14. 1911 wurde der Arbeiter Georg Plutz (* 08.04.1886; 21.03.1958) das Haus. Er war der Sohn des Landwirts Heinrich Plutz und der Christiane Stiehl in Höringhausen. Am 27. Mai 1911 vermählte er sich mit Wilhelmine Heine (* 27.06.1886 in Basdorf; 25.11.1955), Tochter des Landwirts Friedrich Heine und der Katharine Petersheim in Basdorf. Das Paar hatte wenigstens ein Kind: Nr. 15.

15. Im Jahr 1958 erbte Wilhelmine (Minna) Saure, geborene Plutz (* 03.06.1911; nach 1961) das Haus, Tochter von Nr. 14. Sie ging am 27. Juli 1935 die Ehe mit dem Sattler Johannes Saure (* 15.08.1913 in Usseln; 11.11.1975) ein, Sohn des Friedrich Heinrich Saure (Benderhaus) aus Usseln (1888-1961) und der Elisabeth Koch (1890-1967) aus Frankenau. [4] Bevor Johannes Saure das Haus bezog, ließ er größere Umbauten und Renovierungen vornehmen.

Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 8, Rathausgasse - Im Paß - Im Tempel - Kilianstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, S. 57-61. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bei THOMAS (wie Anm. 1) findet sich die fehlerhafte Angabe, sie habe in zweiter Ehe im Jahr 1709 Maximilian Leonhard Premann geheiratet. Die Angabe bezieht sich jedoch auf ihre Mutter. Premann war Clara Margarethe Brandts Stiefvater.
[3] Über die Frau des Wilhelm Hensche und Mutter der Wilhelmine Hensche gibt es unterschiedliche Angaben. Während THOMAS (wie Anm. 1) eine Marie Knoche angibt, findet sich bei Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 27, Twiste, Schützengilde 1539 Twiste e.V. (Hrsg.), Korbach 1986, S. 98, Nr. 795, der Name Anna Maria Schwieder aus Nordenbeck (Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 19, Nordenbeck, Stadtarchiv Korbach [Hrsg.] 1979, S. 135, Nr. 291). Deren am 13.10.1833 geborene Tochter Wilhelmine Marie Henriette Elisabeth Hensche habe nach zwei nichtehelichen Kindern in den Jahren 1855 und 1859 jedoch am 17.04.1865 in Korbach den Tagelöhner Johann Christian Jäger geheiratet.
[4] Friedrich BORN/Willi SAURE/Erich WILKE, Waldeckische Ortssippenbücher, Band 78, Usseln, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. u. Usselner Geschichts- und Heimatverein e.V. (Hrsg.), Usseln 2005, S. 369, Nr. 1400.