Lengefelder Straße 15 (Korbach)

Das Haus Lengefelder Str. 15 im Mai 2017.
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Das Haus Nr. 15 in der Lengefelder Straße ist ein um 1753 von Johann Michael Clement erbautes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war Valentin Becker aus Eppe. Er erwarb 1641 die Bürgerrechte. In dem Verzeichnis der Brandgeschädigten von 1664 wird er nicht erwähnt. Er wird das Grundstück somit erst nach 1664 erworben haben. Wer hier zur Zeit des Brandes gewohnt hat, kann nicht festgestellt werden.

2. Nächster Eigentümer war Johannes Becker aus Nordenbeck, Sohn von Nr. 1. Die Lebendaten und das Jahr des Erwerbs sind nicht bekannt. [2]

3. Um 1690 erwarb Arndt Lüdecke (* um 1641 in Nordenbeck; begr. 18.02.1700, 59 Jahre) das nach dem Stadtbrand von 1664 an dieser Stelle errichtete Haus und errichtete einen Neubau. Da der Vorgängerbau bereits nach weniger als 30 Jahren ersetzt worden ist, handelte es sich vermutlich nur um ein nach dem Brand errichtetes Provisorium. Seine Eltern sind nicht bekannt. Er heiratete am 23. November 1675 in Nordenbeck die Agnes/Agneta Becker (* um 1651; begr. 24.04.1689, 38 Jahre). [3] THOMAS (wie Anm. 1) meint, sie sei eine Tochter von Nr. 2 gewesen, da Johannes Becker aus Nordenbeck 1681 als Pate des Sohnes von Arndt Lüdecke und Agneta Becker genannt wird. Unter den bei STOECKER (wie Anm. 2) genannten neun Kindern des Johannes Becker in Nordenbeck findet sich jedoch keine Agnes/Agneta. Lüdecke erhielt 1681 die Bürgerrechte.

4. 1699 wird der Schäfer Hermann Clement aus Medebach, Bürger 1700, als Eigentümer genannt. Weitere Daten über ihn sind nicht bekannt.

5. Bereits 1701 ging das Haus auf den Sohn von Nr. 4, Johann Arndt Clement (* um 1676; begr. 10.07.1747) über, der im gleichen Jahr die Bürgerrechte erwarb und am 3. November 1700 die Tochter von Nr. 3, Maria Magdalene Lüdecke (* um 1667; begr. 18.12.1737, 60 Jahre) geheiratet hatte..

6. Im Jahre 1747 fiel das Haus an Johann Michael Clement (~ 04.05.1704; begr. 09.10.1781), Sohn von Nr. 5. Er ließ es 1753 abreißen und an seine Stelle das heutige Haus errichten. Er erwarb 1747 die Bürgerrechte, blieb jedoch unverheiratet.

7. 1755 kaufte Anna Catharina Limpert (* 1698; begr. 15.12.1775), geborene Clement, das Haus von ihrem Neffen, Nr. 6. Sie war die Tochter von Nr. 4. [4] Sie war die Witwe des Schmiedemeisters Jost Curt Limpert (~ 20.09.1695; begr. 07.10.1739), Sohn des Henricus Limpert (Marktplatz 8) und der Anna Schwaner. Jost Curt Limpert war Bürger seit 1725, Ratsmitglied 1735 und Dechant der Schmiedeinnung im Jahr 1738.

8. 1763 übertrug Nr. 7 das Haus auf ihren Sohn, den Schmiedemeister Heinrich August Limpert (~ 15.12 1730; begr. 10.02.1771). Am 30. November 1759 ehelichte er Marie Margarethe Schul(t)ze (* um 1742 in Lengefeld; 04.03.1780), Tochter des Meiers (Conductors) Johann Georg Schultze (* 1697 in Flechtdorf; begr. 26.04.1761 in Lengefeld) und seiner Frau Anna Katharina, Geburtsname unbekannt. [5] Marie Margarethe Schul(t)ze ging eine zweite Ehe mit Nr. 9 ein.

9. Durch Heirat wurde im Jahr 1772 der Huf- und Waffenschmied Georg Henrich Götte/Goette (* 1743 in Lengefeld; 07.01.1813) neuer Eigentümer, indem er am 2. Oktober 1771 Marie Margarethe Schultze heiratete, Witwe von Nr. 8. Götte war der Sohn des Dorfrichters Johann Wilhelm Götte (1721-1789) in Lengefeld und der Anna Catharina Schumacher (1718-1803), Tochter des Peter Conrad Schumacher (Oberstraße 2). [6] Götte erwarb 1771 die Bürgerrechte und war in den Jahren 1775, 1778, 1783, 1786, 1789, 1792, 1796, 1801, 1807 und 1812 Dechant der Schmiedeinnung. Aus der Ehe Götte/Schultze ging mindestens ein Kind hervor:

Christian Götte (Nr. 10)

Eine zweite Ehe ging er mit Anna Gertrud Süring/Syring (* um 1759 in Mehlen; 09.12.1809, 50 Jahre) ein. Aus dieser Verbindung stammt mindestens ein weiteres Kind

Marie Christiane Constantia Goette (* 08.03.1789; 29.04.1862) Carl Wilhelm Wigand (Tempel 4)

10. 1813 erbte der Schmiedemeister Franz Christian Götte (* 15.01.1780; 11.07.1838), Sohn von Nr. 9, das Haus. Er war in den Jahren 1816, 1823, 1828, 1833 und 1837 Dechant der Schmiedegilde, wird aber auch als Ackermann genannt. Am 7. Dezember 1810 vermählte er sich mit Johanna Catharina Elisabeth Wilke (* 14.09.1787; 22.05.1833), Tochter des Johann Georg Christian Wilke und der Catharina Margarethe Münter. [7] Eine zweite Ehe ging er am 20. April 1834 mit einer Agnes, Geburtsname unbekannt, ein (* 28.03.1804; 31.10.1835).

11. 1839 wurde der Ackermann Georg Philipp Götte (* 27.10.1811 in Lengefeld; 28.01.1889) neuer Eigentümer, Enkel von Nr. 10 und Sohn des Richters Johann Christian Götte (1774-1813) aus Lengefeld und der Catharine Wilhelmine Juliane Schulz (1786-1836). [8] Er erwarb 1838 die Bürgerrechte und heiratete am 6. April 1848 seine Cousine II. Grades, Caroline Wilhelmine Götte (* 21.10.1814; 25.04.1848), Tochter von Nr. 10. Die gemeinsamen Urgroßeltern waren Johann Wilhelm Götte und Anna Catharina Schumacher (vgl. Nr. 9). Philipp Göttes zweite Frau wurde am 14. April 1849 Marie Henriette Dämmer (* 24.10.1821in Berndorf; 26.08.1868).

12. 1870 erhielt der Landwirt Carl Christian Friedrich Götte (* 10.06.1843; 30.01.1923), genannt "Edergötte", das Haus. Er war der Sohn von Nr. 11 und verheiratet mit Luise Bangert (* 05.03.1839 in Berndorf; 09.02.1886), Tochter des Landwirts Wilhelm Bangert/Oel und der Marie Meier, beide aus Berndorf. Götter erwarb 1869 die Bürgerrechte. Eine zweite Ehe ging er am 22. Mai 1888 mit Marie Christiane Henriette Schulze (* 29.06.1849 in Bömighausen; 23.09.1936) ein, Tochter des Beiwohners Heinrich Schulze in Bömighausen. Sie war in erster Ehe mit einem Herrn Hebener verheiratet.

13. 1904 kaufte der Metzgermeister Heinrich Ludwig Carl Graf (* 07.06.1851; 05.03.1931) das Gebäude. Er war entweder der Sohn des Georg Ludwig Carl Graf (Lengefelder Straße 8) und der Louise Friederike Christiane Salm oder des Ernst Ludwig Wilhelm Graf (Professor-Kümmell-Straße 3, Stechbahn 22) und der Johanette Henriette Friederike Weinreich. [9] Heinrich Ludwig Carl Graf heiratete am 26. Oktober 1884 Auguste Wäscher (* 21.03.1855; 16.04.1923), Tochter des Landwirts Friedrich Christian August Wäscher und der Marie Christiane Wilhelm Huge. Graf war zuvor Eigentümer des Hauses Lengefelder Straße 8.

14. Im Jahr 1921 wurde der Metzgermeister, Landwirt und Gastwirt Fritz Graf (* 08.02.1886; 04.11.1965), Sohn von Nr. 13, neuer Eigentümer. Er heiratete am 22. März 1913 Marie Bergmann (* 28.03.1891 in Immighausen; 01.02.1957), Tochter des Landwirts Wilhelm Bergmann aus Immighausen und der Friederike Schätte. Marie Bergmanns Schwester Friederike Bergmann hatte 1903 den Gast- und Landwirt Wilhelm Herzog (Stechbahn 8) geheiratet, weshalb es scherzhaft hieß, von den Bergmannschen Töchtern habe eine einen Herzog, die andere einen Grafen geheiratet. Eine Nichte der beiden Schwestern, Tochter von deren älteren Bruder Wilhelm Bergmann, Bertha Bergmann, war mit dem Maschinenbaumeister Reinhard Limperg (Stechbahn 30) verheiratet. Im Jahr 1938 erwarb Fritz Graf auch das Nachbarhaus Lengefelder Straße 13.

Von 1905 bis in die 1990er (?) Jahre befanden sich in den Räumen des Erdgeschosses die Metzgerei Graf und eine Gaststube, die später von der Familie Heinrich Lamm betrieben wurden. [10] Seit den 1990er (?) Jahren sind die Geschäftsräume vermietet. In den Räumen der Metzgerei findet sich gegenwärtig eine Änderungsschneiderei, im rechten Erdgeschoß ein Büro der Axa-Versicherung. Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 23-25. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 19, Nordenbeck, Stadtarchiv Korbach [Hrsg.] 1979, S. 103, Nr. 26, nennt zwar einen 1649 in Korbach geborenen und am 16.09.1723 in Nordenbeck begrabenen Meier und Richter Johannes Becker mit seiner Frau Anna Katharina Stripeke (1658-1717) sowie neun Kindern. Es lässt sich jedoch nicht feststellen, ob dieser mit dem hier genannten Haueigentümer identisch ist.
[3] Bei STOECKER (wie Anm. 2), S. 160, Nr. 502, wird sie "Agnes", bei THOMAS (wie Anm. 1) "Agnetha" genannt.
[4] Die Angaben bei THOMAS (wie Anm. 1) sind fehlerhaft. Dort heißt es, Anna Catharina Limpert, geborene Clement, sei die Tochter von Johann Michael Clement gewesen, was bereits aufgrund der Lebensdaten nicht zutreffen kann. Aus der Einleitung zu Lengefelder Str. 15 ergibt sich, daß sie seine Tante war und somit Tochter von Nr. 4, Hermann Clement. Auch das angegebene Lebensalter von Johann Michael Clement (84 Jahre) korrespondiert nicht mit seinem Tauf- und Sterbedaten (1704-1781), es sei denn, er wäre erst mit 7 Jahren getauft worden.
[5] Eckhard SCHMIDT (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Lengefeld, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1980, S. 190, Nr. 552; Karl SCHULTZE (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 59, Flechtdorf, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. Bad Arolsen (Hrsg.), Korbach 1998, S. 168, Nr. 996a.
[6] SCHMIDT (wie Anm. 5), S. 136, Nr. 205-205b.; Martin RUDOLPH (Bearb.), Korbacher Bürgerfamilien - Die Nachkommen des Korbacher Bürgermeisters Curt Schumacher, 1585-1660, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1976, S. 63, Nr. IV 18.
[7] SCHMIDT (wie Anm. 5), S. 213, Nr. 684.
[8] SCHMIDT (wie Anm. 5), s. 137, Nr. 207, 208a.
[9] Die diesbezüglichen Einträge bei THOMAS (wie Anm. 1), S. 23 und S. 32 sind widersprüchlich. Auf S. 32 wird er als Sohn des Georg Graf und der Louise Salm angegeben, auf S. 23 als Sohn von Ludwig Graf (Bruder des Georg Graf) und der Joh. Henriette Friederike Weinreich.
[10] Vgl. Lothar GERLACH/Wilhelm HELLWIG, Korbach - Die Reihe Archivbilder, Erfurt 1998, S. 57; Horst KÖNIG, Korbach im Aufwind - Handel und Handwerk nach dem II. Weltkrieg, Korbach 2015, S. 14.