Lengefelder Straße 16 (Korbach)

Das Haus Lengefelder Straße 16 im Mai 2015.
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Das Haus Nr. 16 in der Lengefelder Straße ist ein 1736 von dem Landrichter und Hofrat Ernst Ludwig Scipio errichtetes Steinhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Der Vorgängerbau ist beim Stadtbrand von 1664 zerstört worden. Das Grundstück lag danach für mehr als 70 Jahre brach. Wer hier zur Zeit des Stadtbrandes gewohnt hat, läßt sich nicht ermitteln.

2. Im Jahr 1736 erwarb Ernst Ludwig Scipio (~ 07.05.1695; begr. 20.08.1744) das Grundstück. Er war der Sohn des Landrezeptors Josias Ludwig Scipio und der Anna Euphrosyne Schuricht. Am 23. Dezember 1728 heiratete er in Helsen eine Frau Hecking (begr. 21.02.1730 in Helsen), Vorname unbekannt. Eine zweite Ehe ging er am 22. Mai 1731 mit Anna Elisabeth Hedwig Risse (* 1711; begr. 28.10.1777 in Landau, 66 Jahre) ein, Schwester des Franz Risse (Nr. 3). Scipio war Landrichter, Hofrat und Landrezeptor.

3. 1756 wurde der Advocat Franz Henrich Friedrich Risse (~ 14.03.1715; 03.04.1761) als neuer Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Generalsuperintendenten Otto Friedrich Risse und dessen zweiter Ehefrau Albertine Johannette Kleinschmidt. Er vermählte sich am 16. Juni 1743 in Mengeringhausen mit seiner Cousine, Sophie/Sophia Wilhelmine Suden (* 29.10.1725 in Mengeringhausen; 10.07.1770), Tochter des Kammerrates Johann Nicolaus Suden in Mengeringhausen und der Catharina Friederike Kleinschmidt. [2] Risse war der Schwager von Nr. 2, Ernst Ludwig Scipio, und Bruder von dessen Ehefrau Anna Elisabeth Hedwig Risse. Er war Advocat in den Jahren 1740 bis 1761 später Amtmann und Hofrat.

4. 1775 wurde der Hofgerichtsrat Johann Ernst Alberti (* 31.01.1733 in Arolsen; 17.08.1789) als neuer Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Kammerrates und Postmeisters zu Arolsen, Johann Christoph Alberti und der Charlotte Sophie Henriette Leonhardi. Am 27. November 1767 heiratete er Luise Eleonore Diesmann (* 20.08.1740 in Mengeringhausen; 28./29.12.1820), Tochter des Superintendenten Johannes Diesmann und der Anna Gertrud Scriba. [3] Alberti war in den Jahren 1769 bis 1772 Amtmann in Korbach, später Hofgerichtsrat am Hofgericht. Im Eintrag zu seiner Vermählung wird er als "Rath aus Pyrmont" bezeichnet. [4]

5. Mit dem Tod ihres Mannes (Nr. 4) erbte im Jahr 1789 die Witwe Luise Eleonore Alberti das Haus und beauftragte 1798 den Hofrat Friedrich Wilhelm Waldeck (Nr. 6) mit der Versteigerung des Grundbesitzes. Waldeck kaufte das Haus selbst.

6. 1798 erwarb der Hofgerichtsrat Friedrich Ludwig Wilhelm Waldeck (* 04.07.1768; 21.04.1843) das Haus. Er war der Sohn des Landsyndicus und Hofrats Karl Wilhelm Waldeck (Enser Straße 3) und dessen dritter Ehefrau Friedrike Marie Leonhardi. Am 28. Mai 1795 heiratete er in Nieder-Wildungen Caroline Wilhelmine Johanna Brumhard (* 21.03.1774 in Nieder-Wildungen; 08.05.1835), Tochter des Geheimen Kammerrates Johann Philipp Brumhard zu Nieder-Wildungen und der Catharina Magdalene Elisabeth Brumhard. Waldeck war Amtmann für den Grund Astinghausen und die Herrschaft Düdinghausen, Landrentmeister und Stiftsrentmeister für Schaaken sowie Hofgerichtsrat mit dem Titel Hofrat. Im Jahr 1844 übertrug er das Eigentum an dem Haus auf seinen erst siebenjährigen Enkel Robert (Nr. 7). Friedrich Waldeck und Caroline Brumhard hatten wenigstens zwei Kinder:

a) Stadtsekretär Reinhard Wolrad Waldeck (1802-1834) [5]
b) Stadtsekretär Carl Friedrich Waldeck (1807-1842)

7. 1844, im Alter von 7 Jahren, erhält der Enkel von Nr. 6, Robert Georg Friedrich Carl Waldeck (* 09.12.1837; 21.01.1913), das Haus. Waldeck war der Sohn des Stadtsekretärs Carl Friedrich Waldeck und der Johanne Sophie Henriette Luise Brumhard. Am 9. Juni 1862 heiratete er Anna Natalie Constanze Auguste Knoch (* 16.08.1842 in Berndorf; 02.03.1902), Tochter des Gutsbesitzers und Leutnants a.D. Karl Knoch zu Berndorf und der Luise Rube. Robert Waldeck war ab 1864 Rechtsanwalt in Korbach, seit 1869 Amtsrichter, seit 1883 Amtsgerichtsrat und wurde im Jahr 1900 zum Geheimen Justizrat ernannt. Er war Schöpfer des Waldeckischen Anerbengesetzes sowie Mitglied des Waldeckischen Landtages und dessen Präsident. Um 1865 kaufte er auch das Nachbarhaus Lengefelder Straße zwischen Nr. 14 und Nr. 16 und ließ es abtragen. Waldeck hinterließ keine Nachkommen und vermachte sein Vermögen der Stadt.

8. 1913 erbte die Stadt Korbach das Haus von Nr. 7. Seit dieser Zeit ist das Haus städtisches Eigentum.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 39-43. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Herbert VOIGT/Christian MEUSER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2014, S. 490, Nr. 6500. Rissen wird auf S. 466, Nr. 61174 unter dem Namen "Rössen" aufgeführt.
[3] VOIGT/MEUSER (wie Anm. 2), S. 93, Nr. 1170.
[4] VOIGT/MEUSER (wie Anm. 2), S. 15, Nr. 34.
[5] Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtsekretäre in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1953, S. 20.