Oberstraße 4 (Korbach)

Das Haus Oberstraße 4 im November 2016.
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Das Haus Nr. 4 in der Oberstraße ist ein 1904/05 von dem Gastwirt Wilhelm Saure errichtetes Steinhaus in der Altstadt von Korbach [1] Der Vorgängerbau war am 26. Februar 1904 abgebrannt.

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer war der Kaufmann und Wollzeugfabrikant Henricus Engelhard (~ 03.05.1700; begr. 18.03.1764).Er war der Sohn des Johannes Engelhard (Oberstraße 6 und 8) und der Agnes Theiß. Er erwarb 1724 die Bürgerrechte und heiratete am 20. November 1725 Maria Catharina Limpert (~ 13.04.1707; begr. 10.04.1740), Tochter des Caspar Limpert (Hinter dem Kloster 5) und der Anna Erich Asmuth, Stieftochter des Ludwig Asmuth. Aus dieser Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor:

a) Johann Ludwig Engelhard (~ 17.12.1726; begr. 03.12.1789), Professor-Bier-Straße 12
b) Friedrich Adolf Engelhard (~ 29.07.1728; begr. 23.02.1794), Kirchstraße 8

Eine zweite Ehe ging er um 1741 mit Anna Margarethe Nelle (* 29.10.1712 in Meineringhausen; begr. 23.12.1804) ein, Tochter des Pfarrers Walter Nelle und der Eleonore Catharina Scriba. Engelhard war Ratsmitglied 1728, Pfennigmeister 1739-1741, Unterbürgermeister 1742, 1744-1745, 1748, 1757-1758. Er kaufte 1727 das Wohnhaus Professor-Kümmell-Straße 5. Es läßt sich nicht feststellen, ob er das Haus Oberstraße 4 von seinem Vater Johannes Engelhard erhielt oder ob er es selbst hat erbauen lassen.

2. 1744 kaufte der Weißgerbermeister Johann Bernhard Cranz/Crantz (* um 1711 in Schmillinghausen (?); begr. 27.09.1762, 51 Jahre) das Gebäude. Er erwarb 1744 die Korbacher Bürgerrechte. Der Name seiner ersten Ehefrau ist nicht bekannt. Sie wurde begraben am 28.04.1757 und war 64 1/2 Jahre alt. Am 26. Oktober 1757 ging Cranz eine zweite Ehe mit Dorothea Henriette (Felicitas) Jäger (* 1737; 27.05.1803) ein, Tochter des Christoph Jäger in Lengefeld. Aus der Ehe ging mindestens ein Kind hervor:

Henrich Christian Crantz, Nr. 4

Sie heiratete in zweiter Ehe Nr. 3. Johann Bernhard Cranz stammte aus Schmillinghausen. [2]

3. 1763 wurde der Weißgebermeister Johann Justian Emmerich (~ 09.04.1730; 19.10.1810) Eigentümer des Hauses, indem er die Witwe von Nr. 2, Dorothea Henriette Jäger, heiratete. Emmerich erwarb 1763 die Bürgerrechte, war Ratsmitglied 1772 und 1778 sowie Ratsrentmeister im Jahr 1784. Er war der Sohn des Justus Emmerich II. und der Anna Sophia Dulfigge. Im Kirchenbuch der Neustadt heißt es über ihn: "Ein ehrbarer und braver Bürger und Christ".

4. 1811 erhielt der Weißgerbermeister Henrich Christian Henrich Christian Cranz (~ 02.07.1758; 18.01.1835), Sohn vo Nr. 2, das Haus. Er erwarb 1784 die Bürgerrechte und war Ratsmitglied im Jahr 1799. Am 16. April 1784 heiratete er Anna Catharina Müller (~ 25.09.1763; 08.10.1847), Tochter des Hutmachers Elias Müller und der Elisabeth Emde.

5. 1815 wurde der Bäckermeister Johannes Friedrich Christian Kappel (* 01.03.1789; 27.03.1837) neuer Eigentümer des Hauses, nachdem er am 11. Dezember 1812 die älteste Tochter von Nr. 4, Friederike Christiane Cranz (~ 14.03.1790; ?) geheiratet hatte. Er war der jüngste Sohn des Johann Franz Kappel (Stechbahn 6) und der Christiane Elisabeth Leye. 1812 erwarb er die Bürgerrechte.

6. 1841 kaufte der Schreinermeister und Gastwirt Wilhelm Friedrich Carl Schmalz (* 27.08.1798; 11.01.1878) das Haus. Er war der dritte Sohn des Schreinermeisters Georg Anton Schmalz (Im Sack 16) und der Friederica Hopf(f )aus Goddelsheim. Er erwarb 1824 die Bürgerrechte und heiratete am 7. Juni desselben Jahres Christiane Friederike Emde (* 25.12.1807; 14.08.1882), älteste Tochter des Ackermanns Johann Justus Ludwig Emde (Hinter dem Kloster 1a) und der Henriette Gockel. Carl Schmalz war von 1825 bis 1834 Eigentümer des Nachbarhauses Oberstraße 6 und von 1834 bis 1841 des Hauses Im Sack 2. Die Eheleute hatten mindestens zwei Kinder:

a) Karl Schmalz, Nr. 7
b) Friedrich Schmalz, Kirchstraße 3

7. 1868 erhielt der Sohn von Nr. 6, der Schreinermeister und Gastwirt Henrich Wilhelm Karl Louis Schmalz (* 13.12.1825; 13.1.1900), Bürger 1848, das Haus. Er vermählte sich am 24. April 1848 mit Anna Elisabeth Krummel (* 17.06.1824; 19.05.1856), Tochter des Altstädter Schullehrers Anton Philipp Krummel (Professor-Bier-Straße 12a) und der Maria Henriette Tent. Die Ehe blieb kinderlos. Am 25. Januar 1857 ging er eine zweite Ehe mit Bertha Chrstiane Wilhelmine Emde (* 12.03.1825; 05.06.1858) ein, Tochter des Bäckermeisters Heinrich August Wilhelm Emde und der Dorothea Maria Hopff aus Goddelsheim. Aus dieser Ehe stammt ein Kind. Seine dritte Ehefrau wurde am 17. Juni 11859 Christine Bechstein (* 20.08.1831 in Rotenburg/Fulda; 07.05.1894), Tochter des Orgelbauers Friedrich Bechstein zu Rotenburg/Fulda. Schmalz überlebte alle drei Ehefrauen. Von 1849 bis 1865 war er Eigentümer des Hauses Professor-Bier-Straße 12a, das er durch die Heirat mit einer ersten Frau erhalten hatte.

8. 1895 kaufte der Gastwirt Christian Rüsseler (* Berndorf; ?) das Haus. Er verzog nach Elberfeld-Barmen.

9. 1904 Friedrich Behle

10. Im Jahr 1926 erwarb der Gastwirt Friedrich Behle (* 29.10.1872 in Rattlar; 18.01.1964) das Gebäude. Er war der Sohn des Schuhmachers Friedrich Behle (Tränkestraße 6) und der Henriette Hellwig. Am 4. Juni 1910 heiratete er in Elberfeld Helene Bönner (* 28.08.1886 in Arnsberg; 27.04.1968), Tochter des Metzgers Albrecht Bönner in Arnsberg und der Marie Hegemann aus Werl/Westfalen). Behle war 1919 Mitglied des Waldeckischen Landtags, 1919-1928 Mitglied des Korbacher Gemeinderats und bis 1933 Mitglied des Kreisvorstandes. Seine Schwester war Marie Dude (Kilianstraße 8/Stechbahn 19).

11. 1963 Friedrich August Martin Max Behle.

12. 1975

13. 1996

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS/Karl WILKE/Lothar GERLACH (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 3, Kirchstrasse - Unterstrasse - Nikolaistrasse - Oberstrasse - In der Pforte - Brauberg - Ketzerbach - Ascher - Mauergasse, 2. Auflage, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2003, S. 115-118. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bei Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 38, Schmillinghausen, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Arolsen 1992, S. 209 f., ist er jedoch nicht genannt, sondern nur seine mutmaßlichen Geschwister.